Fahrtensegeln -Beiträge-
|
Jürgen Ahnfeldt berichtet aus seinen Norwegenfahrten (Teil 1) Mein erster Einhandtörn nach Norwegen.
=============================
vom 12.06. bis 18.07.1970
"Meine bisher schönste Urlaubsreise." Diesen Satz schrieb ich am Ende des Törnes in mein Logbuch. Am Freitag um 21h im SVT gestartet, ankere ich um Mitternacht vor Neustadt, nach
61sm ebenfalls nördlich von Spodsbjerg, sehe am Sonntagabend in Körsör (30sm) den Sieg der deutschen Elf gegen England, ankere nach 43sm vor der Insel Vejrö. Dann Hals, 75sm, Skagen 55sm, Mandal/Norwegen 118sm, Rekefjord 59sm, Stavanger 75sm, Bömel 49sm, Bergen 64sm,
Lokksund 45sm, Sundal/Maurangerfjord 30sm. Hier sehe ich meinen ersten Gletscher, den Bondhusbreen. Das Erleben dieser einmalig schönen Landschaft beeindruckt mich derart, dass ich glaube, keine weiteren Eindrücke dieser Art aufnehmen zu können und beschließe noch am Abend des 29.06. meine sofortige Heimreise.
Von Haugesund kommend, gehe ich am 02.07. in der Sandevik, einer kleinen Bucht südlich von Tungenes, vor Anker. Das ist ein schwerer Fehler, denn sie öffnet sich nach NW und Wind kommt auf. Bei zunehmendem Seegang muss ich Ankerwache gehen, bei Dunkelheit scheue ich das mir unbekannte klippenreiche Gebiet. So warte ich bis zum Hellwerden. Um 02.30h ist es soweit.
Unter Motor nehme ich den Anker auf, verstaue ihn bei NW 4-5 und Seegang, setze das gereffte Groß und Fock I und nehme Kurs Süd durch das Schärengebiet. Bei Jaerens Rev muss man die Tonne weit vor der Küste ansteuern, Dünung und Gegenstrom behindern. Um 06h setze ich die Genua und baume sie aus, längst hatte ich ausgerefft. Welch eine Dummheit! Den Baum sicher ich mit einer Bulltalje.
Bei flotter Fahrt hat "Windhund" um 07.30h das Feuer Obrestad und um 09.40h das Feuer Kvasheim querab. Um 11h passieren wir den FT Egerö 1sm an Bb. Nun haben wir NW 6 und hohen Seegang. Eine Wahnsinnsfahrt hält mich an der Pinne fest. Die Schotten sind geschlossen, ich bin angeleint, wage mich nicht unter Deck, um die nächste Seekarte herauszufingern. So gehe ich auf Südkurs, folge einem Kümo, von dem ich annehme, auch er nimmt den Kurs um Lista herum.
Um 12h berge ich ohne Landsicht bei NW 7-8 unter großen Schwierigkeiten endlich das Großsegel
und die Genua. Die See geht 4-6m hoch, gut mit dem Gurt gesichert, versuche ich unter Wasserkaskaden das Tuch zu sicher. Eine Stunde später flaut der Sturm kurzfristig ab und ich setze erneut das nun stark mit dem Schneckenreff verkleinerte Groß. Statt einer
Standortfeststellung spiele ich den Helden im Seegang, berge um 14.10h endgültig das Groß und düse unter Fock I munter weiter auf Südkurs.
Um 15h sind meine Kraftreserven aufgebraucht und die Vernunft zieht endlich an Bord ein. Bei vollen 8Bf aus NW berge ich vor dem Wind die Fock, lasse "W" vor Topp und Takel treiben und
nehme die Steckschotten heraus. Drinnen sieht es bunt aus, alles liegt auf dem Fußboden. Der Inhalt der Schwalbennester, Polster, Seekarten. Doch das Schiff ist dicht, kerin Tropfen Wasser in der Bilge! Auch nun benimmt sich "Windhund" musterhaft, gleitet wie ein Schwan über die haushohen Wellen hinweg, ohne nennenswert Wasser zu übernehmen. Ohne Stützsegel schaukelt das Boot zwar beträchtlich, doch das Gefühl der Sicherheit macht mich richtig glücklich.
Zum Kochen finde ich keine Ruhe. Meine Umsicht hatte mich heute verlassen. Weder gefüllte Thermosflasche noch Brotschnitten hatte ich bereitgelegt. Nun begnüge ich mich mit dem Genuss einer Dose Tomatensaft. Dann mache ich mich an die Standortbestimmung. Mit dem Radio peile ich das Consolfeuer Stavanger und das RC Feuer Lista. Das peilt Ost, 18sm entfernt! Oh, habe ich mich vergurkt! Nach 1 Pausenstunde nehme ich um 16h den Kampf wieder auf, setze die Sturmfock und gehe auf Ostkurs. Gediegenerweise bin ich nicht alleine auf hoher See. "W" unter Topp und Takel treibend, hatte eine große englische Jacht angelockt. Nun zieht sie, stark gerefft, nahe vorbei. Mehrere Leute winken herüber. Nun segeln wir durchweg 6kn, schneller unter dem
Anschieben der mächtigen Wogen, langsamer im Wellental. An der Pinne stehend und das Gleiten meines Schiffes durch die Wellen genierßend, kann ich gerade noch einem mächtigen Baumstamm ausweichen, der treibend vor uns auftaucht. 2 Std später schiebt sich der rote Leuchtturm von Lista über die Kimm und um 19h liegt die SW-Ecke des norwegischen Festlandes querab. Aus der Ferne wirken die Häuser der Ortschaft auf mich wie eine Spielzeugstadt.
Langsam nimmt der hohe Seegang unter Landschutz ab. Der hinter einem Schärengarten geschützt liegende Hafen Farsund ist mein Ziel. Um 21h erreiche ich die Einfahrt und 1/2 Std später lege ich an der Stadtpier an.
Ich bin körperlich ziemlich am Ende, war mehr als 36 Stunden ohne Schlaf und 24 Std nahezu ohne Essen. Der direkte Weg von der Sandevik nach Farsund beträgt 90sm, ich habe 120sm zurückgelegt.
Zunächst gehe ich daran, das Deck aufzuklaren. Die Segel waren in chaotischem Durcheinander an Deck festgezurrt, das kann ich so nicht lassen. Was nun geschieht, setzt mich in Erstaunen. Die Crew der schwedischen Jacht nebenan kommt unaufgefordert herüber, hilft mir beim Aufklaren und lädt mich zu sich an Bord zum Essen ein.
Viele Erinnerungen daran habe ich nicht mehr und als ich mich tags darauf bedanken will, ist das B
oot schon ausgelaufen.
Der Sonnabend soll der Erholung dienen, doch das Trocknen der Segel, das Abspülen der Salzkristalle von den Aufbauten muss auch sein. Mitten in diese Tätigkeiten hinein erhalte ich Besuch vom Redakteur der Zeitung Farsund Avis. Hatte sich meine Sturmfahrt herumgesprochen?
Er will alle Einzelheiten wissen, auch die Gründe meiner Fahrten nach Norwegen. Dann werden Fotos gemacht von "Windhund" und seinem Skipper. (Daheim werde ich mich beim Lesen meines
ersten Interviews sehr geschmeichelt fühlen.)
Kleingerefft schnurrt "W" am Sonntag nach Kristiansand, 52sm in 6 Std, oftmals 9-10kn schnell.
Am Dienstag, 07.07. laufe ich um 03.30h aus. Bei SW um 4 Bf erlebe ich eine vergleichsweise ruhige Fahrt über das oft so raue Skagerrak. Noch ohne Selbststeueranlage sitze ich 18 Std an der Pinne während der 100 sm-Distanz nach Skagen. Tags darauf gerate ich in dichten Nebel bei einer Sicht unter 10 m. Aus Respekt vor dem starken Fährverkehr schleicht "W" auf 4 m Wassertiefe an der grauen Molenwand entlang nach Frederikshavn. Auch am nächsten Tag Nebel auf dem Törn
nach Grenaa bei SE um 5 und übler Hacksee. Gegen 16h habe ich die Nase voll und falle ab mit Kurs auf Hals. (36sm). Am 10.07.rauschen wir bei W 6 in 6 Std die 44sm nach Grenaa, dort treffe ich "Hein Mück" vom SVT.
Sonnabend,11.07. Um 06.30h lege ich ab mit Kurs auf Aarhus, dort wird mich meine Familie erwarten. Zunächst Wind aus SW-W um 2, zunehmend 5. Ab 10h Gewitter mit Böen um 8 Bf und strömenden Regengüssen. Brechende Hacksee mit hartem Gegenstrom zwingen zu Kreuzkursen unter Motorhilfe (7PS). Häufig muss ich in zu harten Böen das Groß bergen, dann reißt eine Naht auf und ich nähe, bevor ein Totalschaden eintritt. Als ich um 21h in Aarhus eintreffe, hat "W" für die 39sm- Distanz 15 Std benötigt. Diesen Törn habe ich als einen der schlimmsten meines Seglerdaseins in Erinnerung.
Über Kolby Kaas, Nyborg, Rödbyhavn, wo wir unseren Freund Edmund Larsen besuchen, der uns 1958 nächtlicherweise vor Nystedt vom Kalkgrund gezogen hatte. Über Neustadt erreichen wir den SVT ohne Urlaubsüberschreitung.
In 36 Reisetagen, davon 5 Hafentage, hat "Windhund" 1475 sm über Grund zurückgelegt, davon 118 unter Motor. Der Tagesdurchschnitt liegt bei 36 Tagen auf 41 sm, unter Berücksichtigung der Liegetage 47,6sm.
Aus heutiger Sicht würde ich diesen Törn als ziemlich anstrengend bezeichnen. Mein Logbuch-
eintrag "Meine bisher schönste Urlaubsreise....." lässt erkennen, dass wir damals ungleich härter segelten. Einen Anerkenngspreis bekam ich damals nicht. Einhandsegler galten beim DSV als nicht nachahmenswerte Exoten. Aber, welcher Fahrtensegler segelt schon um Preise ?
|
|
|
|
|
|
„Windhund“s Sommerreise 1989.
Auszug aus dem Bordbuch.
Sonntag, 21. Mai 1989. Säby – Skagerrak.
Ein strahlender Morgen weckt mich mal wieder viel zu früh. Dennoch bleibe ich bis 6.30h liegen, damit die Sonne Zeit findet, ein wenig mehr Wärme zu produzieren. Der gestrige Motor- und Segeltag über 15 Stunden und eine Distanz von 62 sm von Grenaa hierher hat müde Spuren in mir hinterlassen. Doch, als ich dann draußen stehe, ist aller Unmut verflogen. Zum Frühstück in sonniger Plicht verwöhne ich mich mit Kaffee, Bananenbrot, Ei und Kuchen. Ein festliches Konzert vom Band hebt die Stimmung.
Das Hoch über Norwegen hat den Luftdruck auf stolze 1032 hPa getrieben. Der Wetterbericht von Kiel- Radio sagt Wind aus NE an, später umlaufend.
Bevor ich um 7.15h ablege, spüle ich mit dem Wasserschlauch das salzhaltige Nass vom gestrigen Törn von Deck und Aufbauten. Draußen empfangen mich ein Hauch aus NE und eine spiegelglatte See. So hänge ich mich unter Maschinenfahrt hinter ein dänisches Boot, das unter Nichtachtung des Seekartenvermerkes „Verbotenes Gebiet“ parallel zur Küste nordwärts pflügt. Und ich Troddel segle seit 25 Jahren zeitraubende Umwege um die Großtonne weit draußen auf See herum.
Um 10.30h liegt die Vogelschutzinsel Hirsholm nahebei an Bb. Durch das Glas schaue ich hinüber. 15 Bootsmasten zähle ich. In der kleinen Hafenbucht herrscht am Wochenende immer Hochbetrieb. Ich denke an meinen Gastgeber vom Vorjahr, den alten Leuchtturmwärter, in dessen Gästebuch ich mich hatte verewigen dürfen. Vielleicht hockt er wieder irgendwo in der Sonne und beobachtet die Vögel. Ich sehe Tausende weißer Tupfen, brütende Möwen. Doch die meisten sitzen unsichtbar im hohen Gras. Ihr Gezeter schallt laut zu mir herüber.
Nun steuere ich einen 10° Kurs, dem Skagen -Rev entgegen. Die Sonne wärmt noch nicht richtig, obwohl mich ein Bilderbuchsonntag mit wolkenlosem Himmel erfreut. Mit 4 kn läuft das Boot seine Bahn durch kaum gekräuseltes Wasser. Stunden für mich zum Schreiben, Lesen, Schauen und Genießen.
Gegen 12h haben wir die Hälfte des Weges zwischen Hirsholm und Skagen-Rev geschafft. Der bisher zaghafte Wind hat auffrischend auf Ost gedreht und erlaubt nun das Setzen der Segel. Die Fahrt schnellt nun auf 4,5 kn. Und weil die Sonne nun voll achterlich in die Plicht scheint, kann ich mich von der warmen Kleidung trennen.
Um 13h liegt Skagen-Stadt querab, und knapp 1 Stunde später tritt der ersehnte Moment ein: Mit Hilfe von AP und Echolot queren wir auf 8 m Wassertiefe Skagens- Sandriff. Die Nordtonne lasse ich ½ sm an Stb liegen.
Im Skagerrak herrschen meist andere Windverhältnisse. Bei nunmehr NNW um 2 kann ich gerade meinen Idealkurs Kristiansand 285° anliegen. Unsere Fahrt hat sich auf 3 kn verringert.
Die Großschifffahrt rauscht nahe vorbei. Ein Entgegenkommer weicht aus, zum Dank winke ich hinüber und erhalte den Gruß zurück. Die „Maxhütte“ aus Rostock überholt, auch hier winkt mir jemand zu. Welch ein Wunder!
Ich halte mich ein wenig Nord, um dem Schifffahrtsweg zu entkommen. Währenddessen lausche ich einem erzieherisch anspornenden Hörspiel von „Stimme der DDR“, dann Musikhörerwünsche vom Deutschlandfunk und schließlich auch Heiter-Besinnliches aus der DDR, als Mitwirkende glänzen Loriot und Otto.
Um 18.30h kann ich nach dem Ablauf von 4 Stunden 13 gesegelte Meilen im Skagerrak abbuchen. Die Sicht bleibt gut, der Himmel, von zarten Zirrusschleiern abgesehen, blau und ohne Wolken. Zum Abend begnüge ich mich mit einem aufgewärmten Rouladen- Fertiggericht, danach verwöhne ich mich mit Kaffee und Kuchen.
19.00 Uhr. Ich warte auf den, auch von Rügen-Radio angekündigten Ostwind 3-4.
Stattdessen läuft „W“ hoch am Wind auf Westkurs mit gerade mal 2kn Fahrt. Die See liegt spiegelglatt, so sieht man das Skagerrak selten. Auch die guten Sichtverhältnisse überraschen mich. Von Skagen, 19 sm achteraus, erkenne ich noch den Leuchtturm, vom 15 sm entfernt liegenden Hirtshals sogar Feuerturm, Mole und die hellen Flecken der Gebäude.
Langsam ist die Sonne westwärts gewandert, überlässt mich dem Schatten der Segel und ich muss wieder die warme Kleidung hervorholen.
Zwischendurch überprüfe ich die Lampen, Kompasslicht und Scheinwerfer. Eine halbe Stunde später dreht der Wind auf Nord zurück, „W“ läuft 3-4 kn. Ich nutze diese ruhige Reisephase zum Hören von Sportnachrichten. Steffi Graf hat mal wieder gewonnen.
Die Route der großen Schiffe liegt indessen weit ab unter Land. Bei dieser Windrichtung dringt das Wummern der Motoren nicht mehr zu mir herüber. Der Luftdruck ist auf 1033 hPa gestiegen. Alle Stunde trage ich meinen Standort nach AP in meine Karte ein, die Teilstriche liegen wirklich nicht weit auseinander, um 20.30h gerade bei 3 sm. Unsere Bummelfahrt stört mich keineswegs. Solch glattes Wasser ohne Kräuseln oder Katzenpfötchen hat Seltenheitswert. Dennoch läuft das Boot unentwegt Stunde um Stunde unter prall gefüllten Segeln, leise und leicht. Ich lausche Beethovens 9. Synphonie vom Band mit besonderer Aufmerksamkeit. In keinem Konzertsaal kann man die Schönheit dieser Musik so empfinden wie hier in der Ruhe und der Weite des Meeres.
Um 20.30h taucht die Sonne als rotschimmernder Feuerball unter den Horizont. Fäden und Fächer von Zirruswolken leuchten auf in Farben zwischen Rot und Gold. Meine Fantasie erkennt eine Traumlandschaft, Berge mit schneebedeckten Höhen, teils verdeckt von Nebelfeldern. In Wirklichkeit sieht man nur horizontal gelagerte Wolkenfäden, verschieden vom Sonnenlicht beleuchtet, mal kräftig, mal sanft, oder bereits im Schatten liegend. „Windhund“ gleitet auf einer glatten Fläche dahin, die alle Farben widerspiegelt, von Gold über Rot nach Blau und Braun. Von achtern schleicht sich die Dunkelheit heran. In Süd und Ost gleiten Meer und Himmel übergangslos in einander über, während der Horizont über West bis Nord hell erleuchtet bleibt.
Längst habe ich die Lampen gesetzt. Einige Meilen voraus sehe ich Lichter. Mit dem Glas erkenne ich Grün über Weiß, Trawler beim Fischen. Nur selten können sie ihrer Arbeit derart ruhig wie heute nachgehen. Hirtshals, ihr Heimathafen, liegt etwa 20 sm entfernt, die Lichter der Stadt tanzen als Kette am südlichen Horizont, das Leuchtfeuer Ubr (2) wird noch lange zu sehen sein. Erstaunlicherweise ist Skagen noch immer in Sicht mit schwach flimmernden Lichterketten, dazu das Leuchtfeuer Blz 4 s. Auf den Mond warte ich noch, auch halten sich die Sterne zurück.
Um 23.45h legt sich die Stille über uns. Die Segel hängen schlaff, schlagen ein wenig, wenn entfernt entstandene Schiffswellen Unruhe bringen. Höchst ungern starte ich den Motor, als „W“ nicht mehr auf Kurs bleibt. Bei 4 kn Marschfahrt bleibt die Maschine im Bereich ruhiger Umdrehungen.
Montag, 22. Mai Im Skagerrak.
Der Mond enttäuscht mich nicht! Ein rötlicher Streifen färbt den südlichen Horizont, zuerst nur als Strich, dann steigt er langsam höher, blutrot, voll und riesenhaft. Darüber zarte Wolkenbänder, schemenhaft angestrahlt. Die Natur bietet mir heute Nacht wie ich sie in dieser Pracht nie zuvor habe erleben können. Der Mond bleibt groß, verliert das Rötliche, wird hell und strahlend, zeichnet auf dem Wasser ein flimmernd spiegelndes Lichtband.
Dann wird die Nacht dunkler, Sterne treten hervor. Über uns der Große Wagen. Schaue ich bei korrektem Kurs nach oben, passen die Salingsenden genau zwischen die Sterne der Deichsel. Bei festgelaschter Pinne muss ich manchmal den Kurs korrigieren. Die im Skagerrak rundum laufenden Ströme versetzen uns nun nordwärts.
Die Reihe der Fischereifahrzeuge an Bb reißt nicht ab. Aufgereiht wie auf einer Perlenkette blinken ihre Lichter in fast regelmäßigen Abständen, meilenweit
Diese Nacht ist einfach unglaublich! Das Skagenfeuer, 38 sm entfernt, ist immer noch in Sicht. An Stb voraus fällt ein weiterer Lichtschein auf, ein Einzelblitz. Seine Wiederkehr beträgt 20s. Es ist das Feuer von Torungen bei Arendal! Die Sichtweite beträgt lt. Karte 18 sm und ich erkenne es nun auf einer Weite von 40 sm. Diese 3 Feuer, Skagen, Hirtshals und Torungen werden bis um 3 Uhr meine Begleiter sein. Dann wird sich Skagen abmelden, nach 40 sm, und ein wenig später die anderen.
Indessen habe ich die taunassen Segel geborgen. Totale Windstille! Im Scheine des Mondes und der Hecklaterne erfreuen mich langjährige Freunde, die Eissturmvögel. Immer wieder schweben sie, von achtern aufkommend, heran, gehen auf dem Wasser nieder, lassen sich überholen, bevor sie „W“ erneut anfliegen. Seit Jahren beobachte ich diese eleganten Flieger nur hier im Skagerrak.
Eine Mütze voll Schlaf kann ich mir noch nicht leisten, denn wir nähern uns den Fanggründen der Fischerflotte. Außerdem möchte ich den Sonnenaufgang miterleben.
Gegen 04 Uhr erhellt sich der nordöstliche Horizont, der Mond scheint seine Reise beenden zu wollen und die Sterne verblassen mehr und mehr. Die Wolkenbänke im NW entpuppen sich mit Hilfe des Glases als bergiges Land. Norwegen in Sicht, aber noch 35 sm entfernt! Um 04.30h setzt das purpurne Farbenspiel der aufgehenden Sonne ein. Wann je sah ich diese Schau derart vollendet schön! Durch das Glas schaue ich immer wieder hinüber, bis der Purpur hell und strahlend wird, die Wolkenfäden zu leuchten beginnen und der glühende Feuerball erscheint. Erst als Strich, dann unförmig verzerrt. Wieder kann ich es nicht lassen, etliche Fotos zu schießen. Sonnenauf- und Untergänge auf See werden mich immer begeistern.
Meine Aktivitäten dieser Nacht neigen sich dem Ende zu. Wind haben wir nicht, aber Sonnenschein. Ich lösche die Lampen, stoppe den Motor und notiere die Koordinaten unseres Standortes. „W“ treibt und ich lege mich im Pyjama in der Kajüte aufs Ohr.
08.00 Uhr. Ich erwache aus erholsamem Tiefschlaf. Die Sonne scheint und eine leichte Brise aus SSE kräuselt das Wasser. Der Küstenstrom, so meldet der AP, hat „W“ um 4 sm nach Westen versetzt. Die Küste ist noch schwach erkennbar. Unter Motor drehe ich das Boot mit der Nase in den Wind und setze Segel. Kurs West, der Windpilot übernimmt die Wache. Nach diesem „Pyjamastart“ kann ich den Tag beginnen mit Waschen und Frühstück. Der Luftdruck ist auf 1035 hPa gestiegen. Der Wind nimmt zu, „W“ bedankt sich mit 5 kn. Der Gedanke, heute noch ein gutes Stück an Norwegens Südküste entlang zu segeln, nistet sich ein. Doch in den nächsten Stunden überzieht sich der Himmel mit Zirrusstratus, feine Schleier legen sich vor die Sonne als Ring in Regenbogenfarben, bilden einen Halo. Ein Wetterumschwung kündigt sich an, die Küste verschwindet nun im Dunst.
Um 13h flaut der Wind wieder auf müde SE 2 ab und ich ändere den Kurs auf Kristiansand, 300°. Mit 3kn schleichen wir der Küste entgegen, die 14 sm entfernt, nun wieder in Sicht gerät. Bald darauf erkenne ich voraus einen hellen senkrechten Strich, den Leuchtturm Oxöy vor der Einfahrt nach Kristiansand. Nach 3 Std schläft der Wind vollends ein, Dünung aus Süd lässt die Segel schlagen. Ich starte den Motor und ½ Std später passiert „W“ die Linie zwischen den Feuern Oxöy und Gröningen. Nach 34 Stunden und 120 sm lege ich um 18h im neuen Jachthafen an. Mein Gang zum neuen Seglerheim endet enttäuschend, es ist verschlossen und wird nach meinen bisherigen Erfahrungen erst zur Ferienzeit auch für Gäste geöffnet sein.
Das Skagerrak ist stets für Überraschungen gut! Die eben erlebte, meine 30., war die schönste aller bisherigen Überfahrten. Sie wird immer in meiner Erinnerung bleiben.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|


Willkommen
Fahrtensegeln -Beiträge-